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NEURALTHERAPIE nach Huneke

Die Neuraltherapie ist ein ergänzendes Behandlungsverfahren, bei dem geringe Mengen eines Lokalanästhetikums gezielt in ausgewählte Körperregionen und Nervenstrukturen injiziert werden. Neben der örtlich betäubenden Wirkung soll die Behandlung dazu beitragen, Schmerzreize zu beeinflussen und Regulationsprozesse des vegetativen Nervensystems zu unterstützen.

Chronische und wiederkehrende Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben. Sie werden häufig durch mehrere Faktoren beeinflusst. Deshalb muss vor jeder Neuraltherapie eine sorgfältige ärztliche Untersuchung stattfinden und jeder Fall individuell beurteilt werden. In die Betrachtung der geschilderten Beschwerden, deren Verlauf und deren mögliche Auslöser beziehen wir Vorerkrankungen ebenso wie  bereits erfolgte Behandlungen ein. Auf dieser Grundlage stimmen wir die Therapie individuell auf den Betroffenen ab und entscheiden mit ihnen gemeinsam, ob und in welcher Form die Neuraltherapie als ergänzender Behandlungsansatz infrage kommt.

Bei Frauen kann die Neuraltherapie insbesondere bei folgenden Beschwerdebildern  als ergänzende Behandlung eingesetzt werden:

Vulvodynie

Die Vulvodynie bezeichnet chronische Schmerzen im Bereich der Vulva, für die sich häufig keine eindeutige organische Ursache feststellen lässt. Typisch sind Brennen, Stechen, Wundheitsgefühl oder eine ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit. Die Beschwerden können dauerhaft oder phasenweise auftreten und beispielsweise durch Berührung, Geschlechtsverkehr, Sitzen oder enge Kleidung verstärkt werden.

Bei der Entstehung einer Vulvodynie können unterschiedliche Faktoren zusammenspielen, darunter eine erhöhte Empfindlichkeit der Nerven und Schmerzverarbeitung sowie ein verspannter oder überaktiver Beckenboden.

Die Neuraltherapie kann hier als ergänzender Behandlungsansatz eingesetzt werden, um Schmerzreize gezielt zu beeinflussen.

Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) umfasst körperliche und emotionale Beschwerden, die typischerweise in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus auftreten und sich mit Beginn der Menstruation oder kurz danach bessern.

Mögliche Beschwerden sind Unterleibs- oder Kopfschmerzen, Brustspannen, Wassereinlagerungen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder innere Unruhe. Die Ausprägung kann von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein.

Im Rahmen eines individuellen Behandlungskonzeptes kann die Neuraltherapie ergänzend eingesetzt werden. Ziel ist es, Schmerzreize und Regulationsprozesse des vegetativen Nervensystems zu beeinflussen.

Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Kopfschmerzattacken. Typisch sind häufig einseitige, pulsierende oder pochende Schmerzen, die von Übelkeit sowie einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen begleitet werden können. Bei manchen Betroffenen tritt zusätzlich eine Aura auf.

Gerade bei Frauen können Migräneattacken auch mit hormonellen Veränderungen und dem Menstruationszyklus zusammenhängen.

Die Neuraltherapie kann als ergänzender Bestandteil eines individuellen Behandlungskonzeptes eingesetzt werden. Dabei werden abhängig vom jeweiligen Beschwerdebild gezielt ausgewählte Injektionspunkte behandelt.

Pudendusneuralgie

Die Pudendusneuralgie ist ein neuropathisches Schmerzsyndrom im Versorgungsgebiet des Pudendusnervs. Dieser Nerv versorgt große Teile des Beckenbodens sowie des äußeren Genital- und Dammbereichs.

Typisch sind brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen im Intim- und Beckenbodenbereich. Häufig verstärken sich die Beschwerden beim Sitzen. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie eine ausgeprägte Berührungs- oder Druckempfindlichkeit können auftreten.

Im Rahmen der Neuraltherapie können abhängig vom individuellen Befund gezielte Injektionen beziehungsweise Nervenblockaden infrage kommen, um die Weiterleitung von Schmerzsignalen vorübergehend zu beeinflussen.

Endometriose

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Dadurch können Entzündungsreaktionen, Verwachsungen und teilweise ausgeprägte Schmerzen entstehen.

Typische Beschwerden sind starke Regelschmerzen, wiederkehrende oder chronische Unterbauch- und Beckenschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Beschwerden beim Stuhlgang oder Wasserlassen. Auch ein unerfüllter Kinderwunsch kann mit einer Endometriose verbunden sein.

Bei länger bestehenden Schmerzen können neben den Endometrioseherden selbst auch Nerven, Beckenbodenmuskulatur und die Schmerzverarbeitung eine Rolle spielen.

Die Neuraltherapie kann bei endometriosebedingten Schmerzen als ergänzender Behandlungsansatz eingesetzt werden. Sie behandelt jedoch nicht die Endometrioseherde selbst und ersetzt keine etablierte medikamentöse, hormonelle oder operative Endometriosebehandlung.

Wechseljahresbeschwerden und Beschwerden unter antihormoneller Therapie

Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren können mit unterschiedlichen körperlichen und emotionalen Beschwerden einhergehen. Dazu zählen beispielsweise Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, innere Unruhe, Erschöpfung, Kopfschmerzen sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden.

Ähnliche Beschwerden können auch im Rahmen einer antihormonellen Therapie auftreten, wie sie beispielsweise bei hormonabhängigen Krebserkrankungen eingesetzt wird. Je nach Therapie können unter anderem Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie weitere Beschwerden die Lebensqualität beeinträchtigen.

Insbesondere wenn eine klassische Hormonersatztherapie nicht gewollt wird oder aus medizinischen Gründen nicht infrage kommt, besteht häufig der Wunsch nach ergänzenden, nicht hormonellen Behandlungsmöglichkeiten.

Die Neuraltherapie kann hierbei nach individueller ärztlicher Beurteilung als ergänzender, nicht hormoneller Behandlungsansatz in Betracht gezogen werden. Abhängig von den im Vordergrund stehenden Beschwerden werden die Behandlung und die Injektionspunkte individuell ausgewählt.

Wichtig: Eine bestehende antihormonelle Therapie wird durch die Neuraltherapie nicht ersetzt oder verändert. Insbesondere bei einer onkologischen Erkrankung sollte die Behandlung in Abstimmung mit den behandelnden Fachärztinnen und Fachärzten erfolgen. Die wissenschaftliche Evidenz der Neuraltherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden beziehungsweise Nebenwirkungen antihormoneller Therapien ist bislang begrenzt.


Zusammengefasst
Schmerzen und chronische Beschwerden sind individuell – ebenso sollte ihre Behandlung sein. Nach einer ausführlichen Anamnese und sorgfältigen ärztlichen Untersuchung besprechen wir gemeinsam mit den Betroffenen, welche Behandlungsmöglichkeiten für ihre persönliche Situation geeignet sind und ob die Neuraltherapie als ergänzende Therapie infrage kommt.

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